04.06.2011

Sydney

Nach drei ereignislosen Wochen voller Arbeit für die Uni ging es Ende Mai endlich wieder einmal auf die Reise. Diesmal nach Sydney, ihres Zeichens die größte Stadt Australiens und zugleich das Einfallstor auf den fünften Kontinent. Seit jeher herrscht ein schwelender Konflikt zwischen Sydney und Melbourne um die ökonomische, kulturelle und politische Vormachtstellung in Australien, welcher im Jahre 1908 in der Gründung der Hauptstadt Canberra, von Milliarden Menschen in ganz Australien als langweiligster Ort der Welt oder zumindest Australiens geschmäht und gemieden, auf halbem Wege zwischen den beiden Streithähnen eskalierte. Melbournians und Sydneysider, wie die dortigen Eingeborenen tatsächlich genannt werden, verbringen zwar nicht wie Flamen und Wallonen oder Basken und Spanier die meiste Zeit ihres Lebens damit zu versuchen sich gegenseitig den Schädel einzuschlagen, richtige Freunde sind sie deswegen trotzdem nicht. Aus diesem Grund waren die Reaktionen aus meinem Melbourner Bekanntenkreis auf das Vorhaben, drei Tage in der verfeindeten Metropole zu verbringen, alles andere als von Begeisterung gekennzeichnet. "Sydney ist okay, wenn man nur drei Tage dort verbringt" und "Sydneysiders sind unfreundlich und arrogant" waren noch welche der harmloseren Äußerungen.

Derart unvoreingenommen ging es an einem Sonntag um vier Uhr morgens zum Flughafen Avalon, seines Zeichens das Frankfurt-Hahn von Melbourne. Wie Frankfurt-Hahn wird auch Avalon von der stattlichen Anzahl von zwei verschiedenen Fluglinien bedient, welche sich zusammen für die astronomische Anzahl von etwa 25 Flugbewegungen pro Tag verantwortlich zeichnen: Tiger Airways und Jetstar. Aufgrund der suboptimalen Pünktlichkeitsstatistik und der momentanen Untersuchungen bezüglich Wartungsunregelmäßigkeiten durch die australische Luftfahrtbehörde bei Tiger Airways fiel unsere Wahl auf Jetstar, den Billigableger von QANTAS, von den Einheimischen ob des vorzüglichen Service liebevoll "Crapstar" genannt. Eingequetscht wie eine Sardine (wer bislang dachte Ryanair legt den niedrigsten Standard für Sitzabstände fest wird von Jetstar eines Besseren belehrt) ging es pünktlich auf den kurzen Flug nach Sydney, auf dem ob der frühen Stunde und trotz aufkommender Sympthome einer Thrombose ein kurzes Nickerchen möglich war. Auch Sardinen schlafen in ihrer Dose.

Nach einer Stunde Flugzeit waren wir auch schon in Sydney, wo uns im Gegensatz zum kalten und verregneten Melbourne ein strahlend blauer Himmel bei 25 Grad empfangen hat. Der Flughafen in Sydney liegt verkehrsgünstig an der S-Bahn, für deren Benutzung von dort aus allerdings anstatt des sonst üblichen Pauschalreisepreises von 3,20 Dollar eine Stationsbenutzungsgebühr von stattlichen 15 Dollar fällig wäre, welche, wohl gemerkt, nur an der Flughafenstation kassiert wird. Und so zieht es der kostenbewusste Reisende vor, eine Station mit dem Bus zur nächsten S-Bahn-Station draußen in der freien Welt zu fahren, die dann auch ohne Gebühr betreten werden darf. Dieser schlaue Schachzug zeichnet sich durch den niedrigen Gesamtpreis von nur 5 Dollar und den dreifachen Zeitaufwand aus, denn weder verkehren die Busse in Sydney laut Fahrplan besonders oft, noch halten sie sich an eben diesen, was sich durch die 25 minütige Verspätung unseres Busses gezeigt hat. Und nicht nur das, obendrein war der Bus mit einem Fahrer bestückt, der das geleckte Ebenbild von Kim Jong Il hätte sein können und mit seinem prominenten Doppelgänger nicht nur das Aussehen, sondern,  in der Annahme Kim Jong Il wäre wirklich so unfreundlich wie er in den Medien oft und gerne dargestellt wird, auch die Freundlichkeit gemeinsam hat. Erster Minuspunkt für Sydney, vielleicht hatten die Melbournians doch recht? Die drei Tage Kurzurlaub begannen vielversprechend...

Nach einer kurzen Bus- gefolgt von einer längeren Bahnfahrt und einem noch kürzeren Besuch im überaus zentral gelegenen Hostel ging es auch schnurstracks auf Entdeckungstour. In Katzenwurfentfernung lag der Darling Harbour, ein ehemaliges Hafenbecken, um das im Laufe der letzten Jahrzehnte die finsteren Spelunken durch ein Unterhaltungszentrum mit Kino, ein Aquarium und eine Fülle an Restaurants ersetzt wurden, da mit Familien und wohlhabenden Mittelständern  mehr Umsatz gemacht werden kann als mit grimmigen und schnapsausdünstenden Seebären. Der Weg dorthin war geprägt von städtebaulicher Schönheit.


Der Darling Harbour an sich ist weniger spektakulär als es vielleicht vermuten lässt. Eine alte Holzbrücke...


...ein Schifffahrtsmusem...



...ein ungenutzter Leuchtturm...

...und ein in den Boden eingelassener Brunnen in Spiralform stellen die Höhepunkte des Hafenrundganges dar.


Rund um den Darling Harbour dreht eine Einschienenbahn stoisch ihre Runden, die zwar nett anzusehen ist und aus der sich ganz neue Perspektiven auf die Stadt ergeben, trotzdem ist sie verkehrsplanerisch nicht unbedingt erforderlich und so haben auch Touristen mit nahezu hundert Prozent den größten Anteil an der Zusammensetzung der Fahrgäste.


Nach erfolgreicher Betrachtung der touristischen Schönheiten des Darling Harbour und eines nicht allzu langen Fußmarsches entlang der heutzutage nicht mehr genutzen Kaimauer durch heutzutage nicht mehr genutztes Brachland gelangt gelangt man an eine scharfe Rechtskurve, nach deren Überwindung sich dem Reisenden ein atemberaubender Ausblick auf die erste Sehenswürdigkeit von Sydney bietet: die Sydney Harbour Bridge.


Die Harbour Bridge wurde in den acht Jahren zwischen 1923 und 1932 als Ersatz für die bis dahin verkehrenden Hafenfähren und nicht ohne den Hintergedanken, die damals noch sehenswürdigkeitlose Stadt mit eben einer solchen standesgemäß auszustatten, gebaut. Ob ihrer einprägsamen Gestaltung eignet sich die Harbour Bridge vorzüglich als Hintergrund für Erinnerungsfotos.


Unterquert man die Harbour Bridge...


...so kann man nicht nur die östliche Seite der Brücke, die, wie es vermuten lässt, der westlichen Seite wie ein Ei dem anderen gleich, betrachten,...


...auch die zweite Sehenwürdigkeit von Sydeny drängt sich sofort ins Bilckfeld: das Sydney Opera House.


Das Opera House wurde von 1959 bis 1973 vom dänischen Architekt Jörn Utzon aus Dänemark unter der Prämisse, die Stadt Sydney mit einer zweiten Sehenswürdigkeit zu bestücken, erbaut und erinnert - je nach Betrachtungswinkel - an die von Wind aufgeblähten Segel eines Segelschiffs oder an eine sich übergebende Auster. Welche der beiden Vorstellungen der Architekt bei der Schöpfung dieses Gebäudes vor seinem inneren Auge hatte ist bis heute unbekannt und Thema zahlreicher Diskussionen. Immerhin verfügt Sydney mit dem Opera House und der Harbour Bridge über zwei Sehenswürdigkeiten mehr als Melbourne. Und wie auch die Harbour Bridge eignet sich das Opernhaus ebenfalls vorzüglich für Erinnerungsfotos, hier aus der Aufgeblähte-Segel-Perspektive:


Wie bei allen australischen Bauwerken gilt auch bei der Oper der Grundsatz, dass man sich ihr nicht allzu sehr nähern sollte, da sonst viel vom scheinbaren Glanze abfällt. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass der Oper ein Herbstputz nicht schaden würde...


...und auch die Foyereinrichtung hätte in den letzten vierzig Jahren durchaus einmal dem Zeitgeist angepasst werden können. Weiter als bis zum Foyer geht der Blick des budgetbewussten Reisenden leider nicht, da es die Oper in Sydney bestens versteht, finanzschwache Kunden durch eine elitäre Preispolitik abzuschrecken. Überhaupt ist Sydney kulturell etwas hinter Melbourne - auch nicht gerade eine der Kulturhauptstädte der Welt - zurückgeblieben, was dem aufmerksamen Beobachter in vielfältiger Weise präsentiert wird:


Nur einen Katzenwurf von der Oper entfernt liegt inmitten des Botanischen Gartens von Sydney das Government House, einst sowohl Wohn- aus auch Geschäftssitz des Gouverneurs von New South Wales, heute nur noch dessen Repräsentationsgebäude für repräsentative Zwecke. Dieses im Stil der Neugotik errichtete Steinhaus ersetzte ab 1845 das erste Government House, das gemäß der australischen Bautradition aus Holz und Karton errichtet war.


Wie es der Zufall so wollte gab es an diesem Tag Führungen durch das Government House für die interessierte Öffentlichkeit, welche sogar, wie sonst kaum etwas in Sydney, kostenlos angeboten wurden. Und so ließen wir uns von einer Doppelgängerin von Madeleine Albright durch die heiligen Hallen der Geschichte der Gouverneure von New South Wales führen, die uns beginnend vom finsteren australischen Mittelalter - in Jahreszahlen: 1900 - bis in die Neuzeit umfassend dargelegt wurde. Da diese Geschichte leider weniger umfangreich ist als es der Zeitplan der Führungen vorsieht wurde die Präsentation mit einem zehnminütigen Vortrag über die Anschaffung des neuen Tafelsilbers abgeschlossen.

Im Garten des Government House trafen wir auf einen weiteren gefährlichen Vertreter der heimischen Tierwelt: den australischen Waldrapp (lat. waldrappus taeteris australis).


Der gemeingefährliche austrlische Waldrapp ist der einzige Vogel des fünften Kontinents der mit Hilfe seiner Hässlichkeit töten kann. Arglistig schleicht er sich aus dem toten Winkel an seine ahnungslosen Oper heran, nur um im letzten Moment plötzlich in deren Blickfeld aufzutauchen. Der Anblick des australischen Waldrapps kann Brechreiz, Laktoseintoleranz oder Augenkrebs auslösen.

Vom Botanischen Garten aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Wolkenkratzer des CBD, der bei genauerer Betrachtung an den Ausblick, den man vom Südufer des Yarra River auf das CBD von Melbourne hat, erinnert.


Während das CBD von Melbourne allerdings durch breite Straßen und eine ausgeglichene Mischung aus niedrigen Alt- und hohen Neubauten besteht, wodurch sich das Sonnenlicht auch seinen Weg bis auf das Niveau der Straßen bahnen kann, findet man im CBD von Sydney fast ausschließlich Hochhäuser, welche gruppiert um schmale Straßen zu einem etwas düsteren Eindruck verhelfen.


Trotz alledem fiindet man im CBD von Sydney hin und wieder liebevoll renovierte Altbauten...


...die sich malerisch an den Sockel ungustiöser Hochhäuser schmiegen.


Die Frage warum und seit wann Sydney über einen Hochbunker oder Flak-Turm verfügt konnte uns leider genauso wenig jemand beantworten wie die Frage ob es sich bei diesem Haus nun über einen Hochbunker oder einen Flak-Turm handelt.

Ein weiterer touristischer Höhepunkt eines Aufenthaltes in Sydney ist das Besteigen eines der Türme der Harbour Bridge, auf welchem nicht nur eine Ausstellung über den Bau und Erhalt dieses Meisterwerks der australischen Ingenieurskunst zu bewundern ist, sondern dem Besucher auch ein atemberaubendes Panorama von Sydney bietet. Die Skyline von Sydney...


...das Opera House...


...und natürlich die Brücke selbst stellen die einmaligen Höhepunkte des Rundblicks dar.


Zum Fuße der anmutenden Harbour Bridge findet sich zu allem Entsetzen ein weiteres architektonisches Verbrechen, wahrscheinich aus der teuflischen Feder des selben Architekten, der sich schon für den Hochbunker / Flak-Turm im CBD verantwortlich zeichnet.


Ob des rohen Betons und der mangelnden Pflege des selben erinnert dieses Haus dezent an die Vororte von Paris. Überhaupt erinnert Sydney ein Bisschen an Paris: Milliarden französische Touristen flanieren über die Straßen, die S-Bahnen sind doppelstöckig und mehr als abgenutzt und diese Haus eben. Obwohl man auch manchmal meinen könnte, in Süditalien zu sein:


Da Sydney nicht nur von Vororten und Waldbränden, sondern auch von viel Wasser umgeben ist, empfiehlt es sich eine Rundfahrt durch den Port Jackson zu machen, seines Zeichens der natürliche Hafen an dem Sydney angelegt und welcher nach den Jackson Five benannt wurde. Ähnlich wie beim Transfer vom Flughafen in die Stadt bietet sich auch hier das gleiche Bild: Man kann eine Hafenrundfahrt für zwanzig Dollar buchen, oder - was dem Reisebudget eher entspricht - eine Hafenfähre für fünf Dollar nehmen, die nicht nur wesentlich günstiger ist, sondern einen auch an fernen Häfen im Großraum Sydney absetzt, an die normalerweie kein Tourist kommt, hauptsächlich weil es dort nichts zu Sehen gibt. Und so ging es mit der Fähre von der zentralen Anlegestelle am Circular Quay gen Rose Bay, bekannt für den drittnächsten Golfplatz zum Stadtzentrum. Von Bord der Fähre aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Opera House, wobei hier die Form der sich übergebenden Auster besonders zur Geltung kommt.



Auch die Skyline von Sydney lässt sich aus einer ganz neuen Perspektive betrachten...


...und der geneigte Fotograf schafft es sogar, Opera House und Harbour Bridge auf nur einem Foto zu vereinen. Nach etwa zwanzig Minuten Fahrzeit, vorbei an den Villen von Point Piper...


...schwenkt die Fähre in die Rose Bay ein, in welcher der Kapitän sein Schiff mit gekonnter Leichtigkeit geschickt durch die schier unglaubliche Anzahl von Segelbooten an den Landungssteeg navigiert.


Wahrscheinlich waren wir seit Jahrzehnten die ersten Touristen, die sich nach Rose Bay verirrt haben und auch wir haben unmittelbar nachdem wir Land betreten hatte gemerkt, dass es hier auch nicht zu sehen gibt. Also ging es auf den Fußweg zurück in Richtung Zentrum. Auf halbem Wege lag das Viertel Kings Cross, Sydney bekannte Rotlichtmeile, wie es in diversen Reiseführern behauptet wird. Wer allerdings schon mal einen Fuß auf die Hamburger Reeperbahn oder in Amsterdams De Wallen gesetzt hat und somit in groben Zügen weis, wie ein Rotlichtviertel aussieht, wird wird von dem, was in Kings Cross angeboten wird, bitter enttäuscht. Eine Straße, in der sich neben Essbuden, chinesischen Ramschläden und Kaffeehäusern die stattliche Anzahl von zwei Stripteasebars und drei Pornoshops verirrt haben, ist definitiv kein Rotlichtviertel, sondern einfach nur eine Straße, in der zwei Stripteasebars und drei Pornoshops sind!


Enttäuscht zogen wir von dannen, vorbei an der großen Coca Cola-Werbetafel, laut Reisebroschüre aus dem Hostel eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Sydney. Eine Werbetafel als Wahrzeichen, wenn das mal nicht Alles über Sydney sagt...


Immerhin wird man ein paar Straßen weiter auf einem Wegweiser über die inflationäre Verwendung des Buchstabens "O", besonders in Verbindung mit "L" in der Sprache der lokalen Aboriginies informiert.


Zu vorgerückter Stunde standen noch ein Stadtrundgang bei Dunkelheit auf dem Programm, mit dem Hintergedanken, von der Harbour Bridge...


...und dem CBD ein paar stimmungsvolle Nachtaufnahmen zu machen.




Der letzte Tag stand dann ganz im Zeichen des Flughafens, Sydney soll bekanntlich vorzügliche Gelegenheiten zum Planespotten bieten. Leider sind diese Gelegenheiten nur mit dem Auto zu erreichen - abgesehen von der Besucherterrasse, von der sich ein atemberaubender Ausblick auf die Rückseite der Skyline von Sydney anbietet. Leider war es wie so oft beim Planespotten, man steigt bei Sonnenschein in die Bahn ein und kommt im Regen an. Was für ein Glück dass die Besucherterrasse in Sydney überdacht ist und man aus dem Trockenen die nassen Flugzeuge bewundern kann. Und wie es der Zufall so wollte wurde auch die richtige Startbahn benutzt, nur eben leider im Regen.



Pünktlich kurz vor dem Abflug haben sich die Regenwolken genauso wie die Sonne verzogen und einen einmaligen Blick auf das einzige Frachtflugzeug von QANTAS ermöglicht.


Kurz danach ging auch schon der Rückflug nach Avalon, der zwar zwanzig Minuten verspätet, aber sonst ereignislos war. Nach einem grandiosen Ausblick auf das nächtliche Melbourne im Landeanflug ging wieder mal ein kleiner Ausflug - diesmal wirklich mit Flug - zu Ende.

02.05.2011

Grampians

Neues Wochenende - neuer Ausflug. Und auch dieses Mal ging es wieder in die Berge, genauer gesagt in die Grampians. Dieses Gebirge steht recht einsam und verlassen inmitten einer Tiefebene herum und stellt ob seiner bizarren Bergformationen, atembereubenden Panoramen und der unberührten Natur das beliebteste, wenn nicht sogar einzige lohnende Ausflugsziel im westlichen Victoria dar. Die Grampians sind benannt nach den Grampian Mountains in Schottland, mit denen sie jedoch nur den Namen, nicht aber die geographische Lage teilen. In der Sprache der einheimischen Aboriginies heißt das Gebirge Gariwerd, was übersetzt soviel wie "Grampians" bedeutet.

Im Jänner 2011 wurden die Grampians von bösartigen Unwettern heimgesucht, die mindestens genau so bösartige Überschwemmungen zur Folge hatten. Diesen Überschwemmungen vielen etliche Bäume, einige Koalas und sämtliche Zufahrtsstraßen zum Opfer. Aus diesem Grund waren seitdem große Teile der Grampians inklusive der weltberühmten Aussichtspunkte für Besucher gesperrt. Nichtsdestotrotz haben wir uns dafür entschieden das letzte Wochenende in den Grampians zu verbringen. Und wie es der Zufall so wollte wurde am Abend vor der Abfahrt bekannt gegeben, dass ab genau diesem Wochenende der gesamte Nationalpark (abgesehen von 10 km Straße) wieder zugänglich sein wird - manchmal hat man doch Glück.

So ging es Samstag Früh in dreieinhalb Stunden von Melbourne direkt in die Grampians mit dem Boroka Lookout als erstem Ziel im Programm. Leider waren die 10 km gesperrte Straße die direkte Verbindung zwischen dem Highway und dem Boroka Lookout und so haben wir diesen Aussichtspunkt nach einem Umweg von nur 50 km erreicht. Dass es dieser Umweg wert war hat sich spätestens bei der atemberaubenden Aussicht herausgestellt.



Es hatte sich wohl noch nicht so weit herumgesprochen dass dieser Teil der Grampians wieder zugänglich ist und wo sich an normalen Samstagen Milliarden Touristen tummeln waren wir die einzigen Besucher. Eine einmalige Gelegenheit sich am Boroka Lookout fürstlich auszubreiten.


Gut gestärkt ging es auf die kurze Fahrt zum Reed Lookout, vor dem sich ein großartiges Panorama sowohl  der südlichen als auch der nördlichen Hochebene präsentiert.




Wer sich immer gefragt hat was mit den alten Wachtürmen an der DDR-Grenze passiert ist wird in den Grampians ebenfalls fündig.


Nach einem kleinen Fußmarsch war der weltberühmteste Punkt der Grampians erreicht: die Balconies.


Diese bizarre Felsformation hängt über einer Steilwand und ist überaus einladend für einmalige Erinnerungsfotos. An sich sind die Balconies für den normalen Publikumsverkehr gesperrt, wohl weil es allgemein nicht ungefährlich ist und bestimmt schon die eine oder andere Schwiegermutter an dieser Stelle entsorgt wurde. Trotzdem und weil kaum Leute und schon gar kein Park Ranger unterwegs waren haben wir der Versuchung nachgegeben und sind über den gut ausgeschilderten Zugang


auf den Felsen geklettert. Eine freundlicher spanischsprachiger Tourist hat die Arbeit an der Kamera übernommen und fertig waren die einzigartigen Aufnahmen.




Langsam aber stetig neigte sich der Samstag zu Ende und es war an der Zeit einen adäquaten Ort zur Übernachtung zu finden. Die Wahl fiel auf den Smiths Mill Campground, einen der zahlreichen Nationalpark-Campingplätze. Im Gegensatz zum Campingplatz bei Johanna Beach (siehe Kapitel "Great Ocean Tour") war dieser allerdings kostenpflichtig, dafür aber mit Klopapier und so etwas ähnlichem wie einer Dusche ausgestattet. Da aber glücklicherweise weder Samstag Abend noch Sonntag früh ein Park Ranger vorbeigekommen ist mussten wir weder die 13 Dollar Übernachtungsgebühr noch die Strafe für das nicht Bezahlen der Übernachtungsgebühr begleichen.


Auch dieser Campingplatz war letztes Wochenende das erste Mal seit fast vier Monaten geöffnet und mangels Propaganda nur spärlich besucht. Abgesehen von ein paar Wallabys waren wir die einzigen Übernachtungsgäste dort. Alleine auf einem unbeleuchteten Campingplatz mitten im Wald, ungefähr 1 km von der nächsten Straße und 10 km von der nächsten Siedlung entfernt war ein nicht alltägliches Erlebnis. Immerhin hatten es die wilden Tiere des Waldes nicht auf uns abgesehen und so konnten wir eine geruhsame Nacht verbringen.

Apropos wilde Tiere: Die weitläufigen Wälder der Grampians sind bewohnt von einer üppigen Population Wallabys (lat. saltus parricidalis exiguus). Diese putzigen Tiere sehen aus wie Kängurus, sind aber nur halb so groß, was alledings nicht bedeutet dass sie nur halb so gefährlich sind. Wie ihre doppelt so großen Verwandten sind sie Eindringlingen gegenüber feindselig gesinnt und verwandeln sich bei Gefahr oder nach Lust und Laune in wilde Bestien. Ein gewisser Vorsichtsabstand ist also immer zu empfehlen und für hochwertige Fotos von Wallabys ist ein gutes Zoom-Objektiv von Nöten.



Nur einen Koalawurf von unserem Nachtlager entfernt lag malerisch eingebettet in die nördliche Hochebene der Lake Wartook, seines Zeichens Originalschauplatz des Hexenhäuschens aus Hänsel und Gretel.


Und auch dort wieder - Wallabys! In einer scheinbaren Ruhe grasten diese wilden Bestien an den Gestaden des Lake Wartook und lauerten ihren nächsten Opfern auf.


Da aber der Hunger größer war als die Furcht und Wallabyfleisch für seinen einzigartigen Geschmack weit und breit bekannt ist versuchten wir auf klassiche Art und Weise ein Frühstück zu organisieren. Wallaby am Spieß war der Plan, nur leider wehrten sich die Tiere mit Händen und (hauptsächlich) Füßen erfolgreich gegen eine mögliche Verspeisung.



Auch die Gemüsebeilage sah wenig erfolgversprechend aus


und lediglich die gemeine Schnittlauchpalme stellte eine ungefährliche Nahrungsquelle dar.

Glücklicherweise hatten wir in weiser Voraussicht eine ausreichende Anzahl an Baked Beans-Dosen eingepackt was uns letztendlich vor dem Hungertod bewahrt hat.

Einen kleinen Koalawurf weiter waren die eindrucksvollsten Wasserfälle der Grampians zu bestaunen. Wagemutig stürzt sich der McKenzie River zunächst über die Broken Falls




um sich wenig später über die McKenzie Falls in Richtung Meer zu ergießen.


Und weiter ging die Fahrt, vorbei an einer Kolonie Briefkästen


welche von den Einheimischen oft kunstvoll und mit viel Liebe zum Detail selbst gestaltet wurden.


Letztes Ziel des Ausfluges waren die nördlichen Ausläufer der Grampians, welche über eine angeblich gut ausgebaute Schotterstraße erreichbar waren. Nur, wenn gut ausgebaut Schlaglöcher, Querrillen und eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h bedeutet, was versteht man dann unter schlecht ausgebaut!? Glücklicherweise hatte das Gerumpel auf der Straße nicht die gleiche Eigenfrequenz wie ein Volvo 850 und so kam das Auto in einem Stück am Parkplatz am Fuße des Mount Hollow an. Zeit für eine kleine Wanderung auf den Gipfel! Naja, fast auf den Gipfel. Nichtsdestotrotz war auch so der Ausblick atemberaubend.





Auf dem Weg vom Berg herunter machten wir noch Halt an einem Felsvorsprung mit alten Wandmalereien von Aboriginies


bevor es wieder in dreieinhalb Stunden bei starkem Regen und in stockdunkler Dunkelheit zurück nach Melbourne ging. Und wieder waren zwei schöne Tage in der Natur zu Ende...