02.05.2011

Grampians

Neues Wochenende - neuer Ausflug. Und auch dieses Mal ging es wieder in die Berge, genauer gesagt in die Grampians. Dieses Gebirge steht recht einsam und verlassen inmitten einer Tiefebene herum und stellt ob seiner bizarren Bergformationen, atembereubenden Panoramen und der unberührten Natur das beliebteste, wenn nicht sogar einzige lohnende Ausflugsziel im westlichen Victoria dar. Die Grampians sind benannt nach den Grampian Mountains in Schottland, mit denen sie jedoch nur den Namen, nicht aber die geographische Lage teilen. In der Sprache der einheimischen Aboriginies heißt das Gebirge Gariwerd, was übersetzt soviel wie "Grampians" bedeutet.

Im Jänner 2011 wurden die Grampians von bösartigen Unwettern heimgesucht, die mindestens genau so bösartige Überschwemmungen zur Folge hatten. Diesen Überschwemmungen vielen etliche Bäume, einige Koalas und sämtliche Zufahrtsstraßen zum Opfer. Aus diesem Grund waren seitdem große Teile der Grampians inklusive der weltberühmten Aussichtspunkte für Besucher gesperrt. Nichtsdestotrotz haben wir uns dafür entschieden das letzte Wochenende in den Grampians zu verbringen. Und wie es der Zufall so wollte wurde am Abend vor der Abfahrt bekannt gegeben, dass ab genau diesem Wochenende der gesamte Nationalpark (abgesehen von 10 km Straße) wieder zugänglich sein wird - manchmal hat man doch Glück.

So ging es Samstag Früh in dreieinhalb Stunden von Melbourne direkt in die Grampians mit dem Boroka Lookout als erstem Ziel im Programm. Leider waren die 10 km gesperrte Straße die direkte Verbindung zwischen dem Highway und dem Boroka Lookout und so haben wir diesen Aussichtspunkt nach einem Umweg von nur 50 km erreicht. Dass es dieser Umweg wert war hat sich spätestens bei der atemberaubenden Aussicht herausgestellt.



Es hatte sich wohl noch nicht so weit herumgesprochen dass dieser Teil der Grampians wieder zugänglich ist und wo sich an normalen Samstagen Milliarden Touristen tummeln waren wir die einzigen Besucher. Eine einmalige Gelegenheit sich am Boroka Lookout fürstlich auszubreiten.


Gut gestärkt ging es auf die kurze Fahrt zum Reed Lookout, vor dem sich ein großartiges Panorama sowohl  der südlichen als auch der nördlichen Hochebene präsentiert.




Wer sich immer gefragt hat was mit den alten Wachtürmen an der DDR-Grenze passiert ist wird in den Grampians ebenfalls fündig.


Nach einem kleinen Fußmarsch war der weltberühmteste Punkt der Grampians erreicht: die Balconies.


Diese bizarre Felsformation hängt über einer Steilwand und ist überaus einladend für einmalige Erinnerungsfotos. An sich sind die Balconies für den normalen Publikumsverkehr gesperrt, wohl weil es allgemein nicht ungefährlich ist und bestimmt schon die eine oder andere Schwiegermutter an dieser Stelle entsorgt wurde. Trotzdem und weil kaum Leute und schon gar kein Park Ranger unterwegs waren haben wir der Versuchung nachgegeben und sind über den gut ausgeschilderten Zugang


auf den Felsen geklettert. Eine freundlicher spanischsprachiger Tourist hat die Arbeit an der Kamera übernommen und fertig waren die einzigartigen Aufnahmen.




Langsam aber stetig neigte sich der Samstag zu Ende und es war an der Zeit einen adäquaten Ort zur Übernachtung zu finden. Die Wahl fiel auf den Smiths Mill Campground, einen der zahlreichen Nationalpark-Campingplätze. Im Gegensatz zum Campingplatz bei Johanna Beach (siehe Kapitel "Great Ocean Tour") war dieser allerdings kostenpflichtig, dafür aber mit Klopapier und so etwas ähnlichem wie einer Dusche ausgestattet. Da aber glücklicherweise weder Samstag Abend noch Sonntag früh ein Park Ranger vorbeigekommen ist mussten wir weder die 13 Dollar Übernachtungsgebühr noch die Strafe für das nicht Bezahlen der Übernachtungsgebühr begleichen.


Auch dieser Campingplatz war letztes Wochenende das erste Mal seit fast vier Monaten geöffnet und mangels Propaganda nur spärlich besucht. Abgesehen von ein paar Wallabys waren wir die einzigen Übernachtungsgäste dort. Alleine auf einem unbeleuchteten Campingplatz mitten im Wald, ungefähr 1 km von der nächsten Straße und 10 km von der nächsten Siedlung entfernt war ein nicht alltägliches Erlebnis. Immerhin hatten es die wilden Tiere des Waldes nicht auf uns abgesehen und so konnten wir eine geruhsame Nacht verbringen.

Apropos wilde Tiere: Die weitläufigen Wälder der Grampians sind bewohnt von einer üppigen Population Wallabys (lat. saltus parricidalis exiguus). Diese putzigen Tiere sehen aus wie Kängurus, sind aber nur halb so groß, was alledings nicht bedeutet dass sie nur halb so gefährlich sind. Wie ihre doppelt so großen Verwandten sind sie Eindringlingen gegenüber feindselig gesinnt und verwandeln sich bei Gefahr oder nach Lust und Laune in wilde Bestien. Ein gewisser Vorsichtsabstand ist also immer zu empfehlen und für hochwertige Fotos von Wallabys ist ein gutes Zoom-Objektiv von Nöten.



Nur einen Koalawurf von unserem Nachtlager entfernt lag malerisch eingebettet in die nördliche Hochebene der Lake Wartook, seines Zeichens Originalschauplatz des Hexenhäuschens aus Hänsel und Gretel.


Und auch dort wieder - Wallabys! In einer scheinbaren Ruhe grasten diese wilden Bestien an den Gestaden des Lake Wartook und lauerten ihren nächsten Opfern auf.


Da aber der Hunger größer war als die Furcht und Wallabyfleisch für seinen einzigartigen Geschmack weit und breit bekannt ist versuchten wir auf klassiche Art und Weise ein Frühstück zu organisieren. Wallaby am Spieß war der Plan, nur leider wehrten sich die Tiere mit Händen und (hauptsächlich) Füßen erfolgreich gegen eine mögliche Verspeisung.



Auch die Gemüsebeilage sah wenig erfolgversprechend aus


und lediglich die gemeine Schnittlauchpalme stellte eine ungefährliche Nahrungsquelle dar.

Glücklicherweise hatten wir in weiser Voraussicht eine ausreichende Anzahl an Baked Beans-Dosen eingepackt was uns letztendlich vor dem Hungertod bewahrt hat.

Einen kleinen Koalawurf weiter waren die eindrucksvollsten Wasserfälle der Grampians zu bestaunen. Wagemutig stürzt sich der McKenzie River zunächst über die Broken Falls




um sich wenig später über die McKenzie Falls in Richtung Meer zu ergießen.


Und weiter ging die Fahrt, vorbei an einer Kolonie Briefkästen


welche von den Einheimischen oft kunstvoll und mit viel Liebe zum Detail selbst gestaltet wurden.


Letztes Ziel des Ausfluges waren die nördlichen Ausläufer der Grampians, welche über eine angeblich gut ausgebaute Schotterstraße erreichbar waren. Nur, wenn gut ausgebaut Schlaglöcher, Querrillen und eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h bedeutet, was versteht man dann unter schlecht ausgebaut!? Glücklicherweise hatte das Gerumpel auf der Straße nicht die gleiche Eigenfrequenz wie ein Volvo 850 und so kam das Auto in einem Stück am Parkplatz am Fuße des Mount Hollow an. Zeit für eine kleine Wanderung auf den Gipfel! Naja, fast auf den Gipfel. Nichtsdestotrotz war auch so der Ausblick atemberaubend.





Auf dem Weg vom Berg herunter machten wir noch Halt an einem Felsvorsprung mit alten Wandmalereien von Aboriginies


bevor es wieder in dreieinhalb Stunden bei starkem Regen und in stockdunkler Dunkelheit zurück nach Melbourne ging. Und wieder waren zwei schöne Tage in der Natur zu Ende...

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